Citrusgewächse

Kennst du das Land? 
Wo die Citronen blühn, 
im dunklen Laub die Gold-Orangen glühn, 
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, 
die Myrte still und hoch der Lorbeer steht, 
Kennst du es wohl?


Keine Frage, ganz klar, das ist Teneriffa.

Goethe kannte zwar Teneriffa noch nicht, 
hat es aber ganz gut in „Wilhelm Meisters
Lehrjahre“ charakterisiert.

rechts:: Orangen,        durch unsere Bienen hat sich der Fruchtansatz regelrecht verdoppelt

Gleichzeitig mit der Anlage der neuen Weinspaliere haben wir uns auch darum gekümmert, Citrusgewächse anzupflanzen. 
Zum Standard gehören natürlich die Zitronen, die süßen Orangen mit und ohne Kerne, die Mandarine, die Zitronatzitrone, deren Schale für die Weihnachtsbäckerei gebraucht wird, und die Grapefruit. Von der Grapefruit haben wir auch die freundlichere Sorte „Ruby Star“, die ein rotes Fruchtfleisch hat, weniger Kerne und vor allem süßer ist und nicht so bitter. 

 

Sortenvielfalt

Wenn man allerdings bei Wikipedia nachschaut was es sonst alles gibt, findet man eine verwirrende Vielfalt von Sorten unterschiedlicher Stammbäume. Diese Vielfalt kommt dadurch zustande, dass sich die einzelnen Arten gut untereinander kreuzen lassen ( wie bei Hunden ) und dass die Hybriden wegen ihrer Polyembryonie auch noch fruchtbar sind. Steckt man nämlich einen einzelnen Zitronenkern in die Erde und lässt ihn auskeimen, dann entwickeln sich drei bis vier Sämlinge daraus und nicht nur einer: das ist besagte Polyembryonie, eine erstaunliche Flexibilität bei der Fortpflanzung. 

 

Neben den Standardsorten haben wir auch nach interessanteren Sorten gesucht. So haben wir inzwischen eine schöne Limette: sie hat einen sehr feinen Duft und man braucht sie für Cocktails. 

 

Eine Blutorange, klar, schmeckt gut. 
Dann eine Bergamotte, hier wird´s schon komplizierter. 
Man verwendet ihre Schale, die das Bergamott Öl enthält zum Parfümieren von Earl Grey Tee. Auch das Kölnisch Wasser enthält diesen feinen Duftstoff, der allerdings phototoxisch ist und im Licht auf der Haut zu Braunverfärbungen führt. Kölnisch Wasser also mit Vorsicht anwenden. 

 

Die Kaffir-Limette (Citrus hystrix) ist weniger wegen ihrer Früchte, als vielmehr ihrer Blätter wegen, berühmt. Vorwiegend thailändische Suppen und Gerichte werden von den Blättern, die geflügelte Blattstiele wie Doppelblätter haben, gemacht. Sie sind ganz charakteristisch parfümiert, unverwechselbar in asiatischen Suppen. Von Gewürz kann man eigentlich nicht sprechen, weil der exotische Duft das Attraktive ist und nicht der Geschmack. 

 

Für's Auge bietet „Buddhas Hand“ eine Attraktion. Die Frucht besteht aus zusammengefassten, einzelnen gelben Fruchtwürstchen, vergleichbar einer nach unten geneigte Hand mit gestreckt geschlossenen Fingern. Sieht faszinierend aus, ist aber sonst für nichts nütze. 
Darf auch mal sein. 

 

Ein kürzlicher Zugang ist die Kaviar-Limette, Citrus australasica. Sie stammt aus Australien. Eine spezielle Züchtung – die Züchter probieren halt alles, weil´s gut geht. Ihre Früchte sind so groß wie kleine Bananen und voll mit kleinen Saftblasen, die herauskullern wie Kaviar und nett zu löffeln sind. 

 

Aber die Citrus Story ist noch nicht zu Ende. Unsere Blutorange, die Sorte Moro wollte kein rotes Fruchtfleisch machen; allenfalls ein, zwei Spalten färbten sich rot. Ich hatte die Pflanze bei Flora Toskana bestellt und aus München mitgebracht. Na sowas, vielleicht hat mir der Chef, Herr Meier, was Falsches verkauft. Er kauft die Pflanzen auch nur in Italien ein. 

Ich rufe ihn auf seinem Handy an und weil er meine Nummer kennt, antwortet er auch. 

Ich bin grad beim „Burger King“ in New Mexico, was gibt's denn Herr Dittrich?“ 

Herr Meier, ihre Moro ist keine Blutorange ! 

Wie das denn? 

Sie wird nicht rot ! 

Sie wohnen doch nicht in den Bergen, oder ? 

Nein, nein!  

Tja, dann ist es bei ihnen im Winter zu warm. Wie kalt wird's denn nachts ? 

Ja mei, bis auf 8 Grad hatten wir's schon mal. 

Das reicht nicht. Blutorangen brauchen im Winter eine ordentliche Kälteperiode, deshalb sind sie ja auch in Teneriffa und nicht in Sizilien. Mit 8 Grad wird's nicht klappen, aber ist doch eine schöne Pflanze !?  

Doch, doch . Vielen Dank Herr Meier, schönen Urlaub auch, wenn's nicht grad wieder eine Geschäftsreise ist. Tschüss.

 Und schon wieder haben wir was gelernt., 

Blutorange, orange-grün

Mandarine